Birnbaum pflanzen, pflegen und schneiden

Erfolgreich einen Birnbaum pflanzen, pflegen und schneiden – in dieser Kulturanleitung zeigen wir Ihnen wie es geht. Wir behandeln die Standortwahl, die Pflanzzeit und den Pflanzvorgang selbst. Außerdem erläutern wir die einzelnen Phasen des Erziehungsschnitts und geben Ihnen hilfreiche Informationen über mögliche Krankheiten oder Schädlinge an die Hand. Über die Langzeitpflege müssen Sie sich nicht allzu viele Gedanken machen, die Birne möchte den Grossteil ihres Lebens in Ruhe gelassen werden.

Wann einen Birnbaum pflanzen – was ist die beste Pflanzzeit

Eine der am häufigsten gestellten Fragen lautet: wann pflanze ich eine Birne?

Pflanzzeit für Birnen ist im Prinzip das ganze Jahr – doch wir empfehlen, Birnbäume vorrangig zwischen September und Juni zu pflanzen (sofern es sich um Containerpflanzen handelt). Es hat sich gezeigt, dass sich im Herbst gepflanzte Bäume besonders gut entwickeln. Bei der Herbstpflanzung (Anfang Oktober bis Ende Januar) gehen Sie so vor: Legen Sie die Wurzeln frei, in dem Sie den Wurzelballen ausschütteln. Jetzt können Sie den Setzling direkt ins Pflanzloch setzen. Dank der im Boden oftmals noch vorhandenen Restwärme können die Wurzeln gut anwachsen. Bei sinkenden Temperaturen fährt der Baum den Saftfluss herunter, womit keine zarten Triebe mehr ausgebildet werden, die in den Winterfrösten erfrieren könnten. Der Setzling ist dann im Frühjahr bereits angewachsen und kann seine Kraft in die Bildung neuer Triebe investieren.

Der beste Standort für Ihren Birnbaum

Wenn Sie einen Birnbaum pflanzen wollen, halten Sie nach einem windgeschützten, sonnigen und milden Standort Ausschau. Staunässe vertragen Birnbäume nicht. Allerdings lieben sie humose und durchlässige Böden. Birnen blühen früher als Äpfel und sind daher stärker frostgefährdet. Eine grosse Gefahr droht jungen Birnbäumen vom Birnengitterrost, einem Schadpilz, der primär Wacholdergewächse befällt und von dort wiederum die Birnbäume infiziert. Pflanzen Sie deshalb den Birnbaum weit weg von eventuell vorhandenen Wacholder- oder Sadebaum-Sträuchern oder entfernen Sie diese radikal. Das ist günstiger als eine andauernde Fungizidbehandlung.

Wer es sich zutraut, kann Birnbäume auch als klassisches Spalierobst ziehen. Dafür eignet sich die Südwand eines Hauses oder eine Mauer.

Welcher Abstand zwischen Birnbäumen soll gewählt werden

Je nach Wuchsform halten Sie diese Abstände bei frisch gepflanzten Birnbäumen ein:

Die Birne als Spindel setzen Sie zwischen 160 –-220 cm weit auseinander.
Eine Palmette benötigt gut 300 cm Abstand.
Streben Sie eine Endhöhe zwischen 250 – 350 cm an.

Birnbaum pflanzen – so gelingt es

Wie geht man bei der Pflanzung eines Birnbaums vor?

Nachdem Sie den bestmöglichen Birnbaum Standort bestimmt haben, heben Sie eine Pflanzgrube aus, die mindestens doppelt so gross wie der Topfballen ist. In dieses Pflanzloch können Sie Hornspäne oder frischen Kompost als Dünger geben.
Den Wurzelballen reissen Sie vor der Pflanzung etwas auf. Die Veredelungsstelle (die Stelle, an der das Edelreis auf die langsam wachsende Unterlage gepfropft wurde, meistens auffällig verdickt) sollte immer frei bleiben – am besten, sie verbleibt etwa 5 cm über dem Erdboden. Sofern die Pflanzung ausserhalb des Winters und der Frostperiode erfolgt, giessen Sie den Baum richtig an, der Wurzelbereich kann regelrecht eingeschlämmt werden. Um dem Birnenbaum in seinen Jugendjahren Halt zu geben, setzen Sie einen 200 cm langen Pfahl neben den Setzling. Den Baum binden Sie dann mit einem weichen Material an, das nicht einschneidet oder an der frischen Rinde scheuert. Dafür gibt es spezielles Zubehör im Handel. Wir empfehlen dehnbares Material wie Gummibänder oder die klassischen Kokosstricke.

Wie Sie mit Befruchtersorten die Birnen Ernte steigern

Birnbäume sind in der Regel nicht selbstbefruchtend. Sie benötigen daher eine Befruchtersorte in ihrer unmittelbaren Umgebung. Das kann die Birne im Nachbargarten sein, aber um sicherzugehen können Sie einen zweiten Birnbaum pflanzen. Empfehlenswerte Befruchtersorten sind beispielsweise Saxonia Elektra (S), Comice (Syn. Vereindechant) oder auch Conférence. Bei Platzmangel können Sie sich mit diesem Trick behelfen: durch Aufpfropfen ein oder zwei Reiser einer Befruchtersorte veredeln Sie Ihren Birnbaum und überlassen Bienen und Wind den Rest. Wichtig ist nur, dass die Birnbaumblüte beider Sorten in denselben Zeitraum fällt.

Birnenbaum im Topf pflanzen

Birnenbäume können fast noch einfacher und erfolgreicher als Apfelbäume im Topf gepflanzt und kultiviert werden. Dafür haben wir Züchtung spezielle kompakt wachsende Sorten entwickelt, die nur zwischen 20-40% einer normalen Birnensorte wachsen. Im Topf erreichen die Zwergbirnensorten vielleicht um einen Meter, die Säulenbirnensorte Pirini® Myway kann 2m und etwas mehr erreichen, bleibt aber sehr schmal.

Zwergbirnbäume für die Topfkultur

Die Säulen-Birnesporte Pirini Myway zeigt einen sehr aufrechten Wuchs, mit nur wenig Verzweigungen. Entstehen vor allem am Ende des letztjährigen Triebes trotzdem einmal mehrere Seitentriebe, sollte man diese schon im Juni auf ca. 20cm zurückschneiden. So eine Säule kann in einem Kübel gerne 2m erreichen.

Die buschig wachsende Zwergbirnensorte Pironi®Joy of Kent produziert berostete, braune, eher rundliche Früchte von ausgezeichneter Qualität, welche im September reif werden und nach 2-4 Tagen Warmlagerung wunderschön schmelzend zu genissen sind. Im Topf wird Joy of Kent nur 100cm hoch und auch das erst nach 5-6 Jahren. Nur ganz leicht stärker wächst Pironi® Little Sweety, die aber grün-gelbe längliche Früchte zur Reife bringt.

Birnbaum im Topf – die wichtigsten Tipps

  • Kübel sollte mindestens 25l umfassen
  • für guten Wasserabzug sorgen
  • Strukturstabiles Substrat benutzen
  • Wurzelballen vor dem Einpflanzen stark aufschneiden oder aufreissen
  • Düngen: Jedes Jahr im Frühling pro 5l Topfvolumen mit je 20gr Langzeitdünger düngen (Frutilizer Saisondünger plus). Bei einem hohen Ertrag im Juni nochmals nachdüngen, am besten, in dem man 3x im Abstand von 2 Wochen mit einer Lösung mit Frutilizer Instant Bloom angiesst: Der Flüssigdünger fürdert nicht nur die Bildung der Blütenansätze fürs nächse Jahr, sondern hilft der Pflanze auch, die vielen Früchte zu ernähren
  • Basistriebe aus der Unterlage und vom Stammfuss laufend entfernen
  • Überwinterung an einem schattigen Ort, möglichst ohne direkte Sonneneinstrahlung, in sehr kalten Winterperioden kann man das Zwergbirnbäumchen auch ablegen und mit einem hellen Isolationsvlies abdecken.

Krankheiten und Schädlinge am Birnbaum

Birnenbäume sind leider etwas anfällig für Pilzkrankheiten, welche insbesondere bei feuchter Witterung auftreten:

Der Birnengitterrost zeigt sich an orange-roten Flecken an den Blättern, welche immer grösser werden. Diese Pilzkrankheit braucht zwei Wirtspflanzen, den Wacholder und den Birnbaum. Der Pilz überwintert nur am Wacholderbaum, eine Infektion an Birnbäumen kann es nur geben, wenn in unmittelbarer Nähe oder bis 200m Abstand ein infizierter Juniperus steht. Die orange Signalfarbe des Befalls wirkt aber gefährlicher, als die Krankheit wirklich ist. Wegen ein paar einzelnen Flecken ist der Birnbaum noch lange nicht gefährdet; ein Birnbaum kann bis zu 30% seine Blattfläche verlieren und er produziert immer noch gleich viel Energie. Hier ist also von Birnbaumbesitzer keine Panik angesagt – am besten sucht man den befallenen Juniperus und einigt sich mit dem Besitzer auf eine Rodung

Beim Birnenschorf bilden sich auf den Blättern dunkle Flecken; zudem weisen die Birnen Risse in ihrer Schale auf.

Der Obstbaumkrebs tritt ebenfalls häufig an Birnenbäumen auf. Die Rinde der von diesem Pilz befallenen Bäume verfärbt sich orange oder braun und wird ganz trocken. Dazu bilden sich kugelige rote Sporenablagerungen, die – besonders bei jüngeren Bäumen – den gesamten Stamm befallen können.
Bei allen diesen Pilzerkrankungen ist es zwingend notwendig, die betroffenen Pflanzenteile tief in das gesunde Holz abzuschneiden und zudem ein spezielles Pflanzenschutzmittel einzusetzen.

Der Feuerbrand hingegen ist eine bakterielle Erkrankung, die als eine Art Seuche anzusehen ist. Für den Menschen ist der Feuerbrand ungefährlich – für Birnenbäume leider nicht. Die Blätter und Blüten welken und werden so schwarz oder braun, dass sie wie verbrannt aussehen. Tritt der Feuerbrand bei jungen Birnenbäumen auf, haben diese eine Lebenserwartung von circa drei Wochen; alte Birnenbäume leben noch mehrere Jahre. Tritt diese Erkrankung auf, müssen die befallenen Pflanzenteile bis tief in das gesunde Holz hinein abgeschnitten werden – so hat der Birnenbaum noch eine Chance.

Die Maden der Birnengallmücke leben in den Früchten, die dann entsorgt werden müssen.

Der Birnblattsauger legt seine Eier in den Triebspitzen der Birnen ab. Die Larven scheiden honigartigen Russtau aus, welcher wiederum zu Pilzerkrankungen führen kann. Wird ein derartiger Befall festgestellt, müssen die betroffenen Triebspitzen abgeschnitten und umgehend entsorgt werden.

Der Birnbaum ist gepflanzt – wie schnell trägt er Früchte?

Birnbäume tragen vor allem am mehrjährigen Holz Früchte, am letztjährigen 1-jährigen Holz ist das eher selten der Fall, jedenfalls viel seltener als beim Apfel. Dies führt letztlich zu einem etwas späteren Ertragseintritt als beim Apfel. Durch die Verwendung von Quittenunterlagen als Wurzel der Birnbäume, wie wir das bei allen Niederstämmen und Halbstämmen machen, kann aber der Ertragseintritt etwas vorgezogen und verbessert werden, und Sie brauchen nicht 4 bis 5 Jahre auf Früchte zu warten.

Es ist aber vorteilhaft, wenn man die Entwicklungsgeschwindigkeit des Birnbaums gut kennt; dann ist man auch in der Lage, die richtigen Massnahmen zu ergreifen:

  1. Pflanzjahr: Der Birnbaum entwickelt sich meist nicht sehr stark, er hat einen deutlichen Pflanzschock. Binden Sie aber trotzdem steil ansetzende Äste auf einen 45°Winkel zur Waagrechten herunter, um die Anlage von Blütenknospen zu fördern (für die Ernte im nächsten Jahr) und um das vertikale vegetative Wachstum zu bremsen.
  2. Zweites Standjahr: Es ist nur wenig frisch gewachsen im letzten Jahr, aber es ist auch noch wenig altes Frucht-Holz vorhanden: Das heisst, der Ertrag ist sehr klein, im besten Falle gibt es einige Probierfrüchte. Aber am alten Holz und auch an den Kurztrieben entwickeln sich versteckt in den Knospen in diesem Sommer sehr viele Blütenanlagen fürs 3. Jahr.
  3. Drittes Standjahr: Starke Blüte, grosser Fruchtansatz. Jetzt im dritten Jahr ist es meistens angezeigt, die Früchte etwas auszudünnen und pro Infloreszenz (Blütenbüschel) nach dem natürlichen Junifruchtfall nur je eine Frucht stehenzulassen. Ansonsten führt der zu hohe Ertrag im 3. Standjahr zur langfristigen Alternanz, das heisst der Baum würde ohne Audünnung in der Zukunft nur jedes zweite Jahr viele Früchte tragen – und im Zwischenjahr fast gar nichts.

Birnen ernten

In der Zeit von August bis Oktober – je nach Sorte – sind die Birnen erntereif. Wann es individuell so weit ist, erkennt man daran, dass sich reife Birnen leicht vom Baum lösen.
Vor allem bei Lagerbirnen und Winterbirnen ist allerdings der Erntezeitpunkt sehr schwer zu bestimmen. Wenn man sie lagern möchte, muss man sie auf jeden Fall ernten, bevor sie äussere und innere Anzeichen der Reife zeigen. Eine schon weich werdende Birne ist also schon zu spät geerntet.
Birnen lassen sich sehr gut zu Kompott verarbeiten.

Birnen lagern – bis zum vollen Genuss

Sollen die Birnen lieber roh bzw. frisch verzehrt werden, können sie bei 6-8°C einige Wochen gelagert werden. Wichtig ist jedoch, dass nur heile Früchte zur Lagerung kommen. Auch sollten die Birnen regelmäßig auf Schadstellen kontrolliert werden; sobald sich solche zeigen, sollte die betreffende Birne verzehrt werden. Ebenso sollten Birnen nicht zusammen mit anderen reifenden oder überreifen Früchten (vor allem nicht mit reifen Herbst- oder Sommeräpfeln) gelagert werden. Diese produzieren das Reifegas Ethylen, das auch bei den Lagerbirnen sofort den Reifeprozess auslöst und die Lagerdauer entscheidend verkürzt.
Umgekehrt holt man Lager-Birnen, die man in einigen Tagen vollreif, schmelzend, süss und saftig geniessen will, aus dem Lager, stellt sie in die Küche, am besten zusammen mit reifen Äpfeln und Bananen. Dadurch schreitet dann die Nachreife zügig voran, so dass nach 3-6 Tagen der volle Genuss möglich ist.

Und wann ist die Birne genussmässig auf dem Höhepunkt? Dazu sind schon viele Artikel, ja fast Bücher geschrieben worden, aber letztlich ist der Genusshöhepunkt der Birne gleichzeitig auch schon der Beginn ihres Zerfalls, weil sich die Zellstruktur aufzulösen beginnt. Man wird in der Praxis nicht umhinkommen, die ausgelagerte und nachreifende Birne kontinuierlich zu testen, sobald sie auf Daumendruck etwas nachgibt, bis der ideale Genusszustand gefunden ist. Danach lässt sich dann das Procedere reproduzieren: Birnen auslagern und x Tage mit Äpfeln nachreifen lassen = ideale Genussreife.
Übrigens: Birnen besitzen auch eine Heilwirkung: sie wirken entwässernd und verdauungsfördernd.

Birnbaum schneiden – Pflanzschnitt und Erziehung

Allein mit dem Birnbaum pflanzen ist es nicht getan. Der Baum sollte durch entsprechende Schnittmassnahmen konsequent erzogen werden. Nur so ist eine schnelle und geordnete Entwicklung garantiert, die Ihnen frühzeitig eine Ernte an saftigem und leckerem Obst beschert. Ausserdem sorgen Sie auf diese Weise für einen dauerhaften und konstanten Ertrag belohnt werden und über Jahre Spass und Freude an Ihrem Birnbaum haben.
Wir stellen Ihnen vier Varianten des Pflanz- und Erziehungsschnitts bei Birnen vor.

Birne als Spindel schneiden und erziehen

Bild: Birnbaum pflanzen – die Phasen der Spindelerziehung bei der Birne mit Anleitung zum Fruchtholzschnitt

Die Spindelerziehung beim Birnbaum hat sich bewährt und ist auch für Anfänger relativ einfach anzuwenden. In folgendem Schaubild sehen Sie die einzelnen Phasen des Schnitts, die wir weiter unten nochmals im Detail erklären.

Binden Sie den Mitteltrieb an und kürzen Sie die Stammfortsetzung auf ca. 40-60 cm ein. Bestimmen Sie die Leitäste und entfernen Sie zu starke Konkurrenztriebe. Birnbäume haben die Angewohnheit, steil nach oben zu wachsen. Binden Sie daher zu steil wachsende Äste etwas herunter. Dazu eignen sich Gewichte, die an nicht einschneidenden Schnüren an die Astspitzen gehangen werden.
Die erste bzw. Unterste Ast-Etage wird nie ganz in die Waagerechte heruntergebunden, da der Birnbaum sonst nur noch an der Spitze wächst. Ein Winkel von 20 Grad ist empfehlenswert.

Birnen schneiden in den folgenden Jahren – Bild Mitte

Zu lang geworden Seitenäste kürzen Sie nach 2-3 Jahren ein, so dass sie auf eine Blütenknospe enden. Der Mitteltrieb muss regelmässig eingekürzt werden, um das Höhenwachstum des Birnbaums zu bremsen. Ebenso sollten Sie die Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb entfernen, da sonst dasselbe Szenario droht. In dieser Phase der Erziehung binden Sie jetzt die zweite Ast-Etage in die Waagerechte (oder leicht darunter). Das Fruchtholz an den Fruchtästen kann wieder mit Gewichten beschwert werden. Auf diese Weise wird der Birnbaum dazu angehalten, seine Kraft und Energie in die Ausbildung und Reifung von Früchten zu stecken, statt in das Ast- oder Blattwachstum.
Eine wichtige Massnahme ist der Fruchtholzschnitt, den wir noch einmal detailliert beschreiben.

Typischer Fruchtholzschnitt bei Birnbäumen – Bild rechts

Im ersten Jahr werden auch steilere Äste wie zum Beispiel Wasserschosse nicht ganz entfernt, sondern 3-5 Augen stehengelassen.

Im zweiten Jahr entfernen Sie als erstes den stärksten Trieb. Die Kurztriebe lassen Sie stehen, während Sie den mittleren Trieb etwas anschneiden.

Wenn Sie wie beschrieben vorgehen, können Sie spätestens im dritten oder vierten Jahr an diesen Kurztrieben mit Blüten und Früchten rechnen.

Spalier oder Palmette – was ist das bessere Pflanz- und Erziehungssystem bei Birnen

Wie bereits erwähnt, wollen Birnen wegen ihrer starken Apikaldominanz nach oben wachsen. Wenn man jetzt umgekehrt einen Seitenast wie bei der Spaliererziehung ganz flach bindet, hört dieser Ast gänzlich zu wachsen auf, der Baum wächst nur oben weiter. Das Ergebnis: bei der Spaliererziehung wachsen meistens nur noch die oberen Äste, während die unteren Spalieräste immer schwächer werden und verkahlen. Die Palmetten-Erziehung hingegen gibt den Seitenästen genügend Zug, so dass sie vital bleiben und weiterwachsen.

Palmetten-Erziehung für Birnbäume

Bild: Birnbaum pflanzen – Arbeitsschritte bei der Palmetten-Erziehung von Birnen

Die Palmetten-Erziehung bei jung gepflanzten Birnbäumen (hier in der Form einer Fächer-Palmette) ist eine Weiterentwicklung der Spalierform. Für Anfänger ist ein Drahtgerüst eine willkommene Hilfe.

Als Erstes schneiden Sie den Mitteltrieb 40 cm über der Verzweigung an. Bestimmen Sie zwei Leitäste und entfernen Sie alle restlichen Triebe. Die Leitäste werden entspitzt und – sofern Sie mit einem Drahtgerüst arbeiten – durch Anbinden in einen 45 Grad-Winkel gebracht.

Birnen schneiden nach einem Jahr – Bild Mitte

Die Leitäste kürzen Sie jetzt in den Folgejahren etwas ein. Entfernen Sie wieder die aufrechtwachsenden Konkurrenztriebe. Führen Sie den Fruchtholzschnitt analog zur Birnen-Spindelerziehung durch. Die Fruchttriebe bringen Sie mit abgebundenen Gewichten in die Waagerechte. 50 – 60 cm über dem Ansatz der ersten Etage sollte die zweite Etage aufgebaut werden. Auch wenn Sie die Leitäste der zweiten Etage erst nach drei Jahren auswählen, kürzen Sie jetzt schon den Mitteltrieb 20 Zentimeter über dieser gedachten Höhe ein.

Pflanzschnitt nach 2-3 Jahren – Bild rechts

Den Mitteltrieb brauchen Sie jetzt nur noch zu entspitzen. Wieder werden die Konkurrenztriebe entfernt. Wenn die Leitäste der ersten Etage stark genug ausgebildet sind, können die Leitäste der zweiten Etage bestimmt werden. Diese erziehen Sie analog den Leitästen der ersten Etage.

Spindelerziehung für Quitten

Sie können Quitten ähnlich wie Birnen erziehen. Die freie Erziehung erfolgt als Spindel. Dabei entfernen Sie nur die Konkurrenztriebe und schneiden den Mitteltrieb etwas an. Eine Anbindung ist nicht nötig, da die Triebe durch ihr Fruchtgewicht automatisch in die Waagerechte fallen.

Erziehung für Nashi-Birnen

Die ursprünglich in Asien heimische Nashi-Birne findet auch hierzulande immer mehr Liebhaber. Geschmacklich bringt sie das Beste aus Apfel und Birne zusammen und dazu noch Abwechslung in den Garten. Mittlerweile sind Sorten erhältlich, die auch das Klima der nördlichen Breiten problemlos vertragen.
Bei der Erziehung verfahren Sie ähnlich wie bei den Birnbäumen. Nashis dürfen wilder wachsen und werden weniger gebunden. Besonders wichtig ist das starke Ausdünnen der Fruchtansätze (ähnlich Pfirsichen und Nektarinen), damit Sie große und gesunde Früchte ernten.

Birnensorten für heimische Gärten

  • Abbé Fétel
  • Alexanderbirne
  • Boscs Flaschenbirne
  • Bürgermeisterbirne
  • Clapps Liebling
  • Conférence
  • Gellerts Butterbirne
  • Gute Luise
  • Williams Christ

Abbé Fétel

Die Abbé Fetel – auch: Abate Fetel – ist eine lange und keulenförmige Birnensorte mit weissem Fruchtfleisch und einem süssen Geschmack. Ab September wird sie geerntet, wobei sie ihren vollen Geschmack erst nach einigen Wochen Lagerung erreicht.

Alexanderbirne, Alexander Lucas

Die Alexanderbirne zählte zu den beliebtesten heimischen Birnensorten, nicht zuletzt aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit. Die sehr saftigen Früchte haben ein süsses Aroma und können von August bis September geerntet werden.

Boscs Flaschenbirne

Die Boscs Flaschenbirne erhielt ihren Namen aufgrund der Tatsache, dass sie flaschenförmig wächst. Sie schmeckt süsssauer und wird im September geerntet. Leider ist diese Birnensorte etwas anfällig für Pilzkrankheiten.

Clapps Liebling

Clapps Liebling – oder: Clapps Lieblingsbirne – ist eine süsssäuerliche Birnensorte, deren Fruchtfleisch etwas körnig ist. Die sehr robuste Birne eignet sich für jeden Standort und wird den ganzen August über geerntet.

Conférence

Bei der Conférence handelt es sich um eine kleine Birne, die etwas anfällig für Pilzerkrankungen ist. Unter ihrer rauen Schale verbirgt sich ein weisses Fruchtfleisch, welches süss und leicht würzig schmeckt. Die Erntezeit für diese Birnensorte ist der September.

Gellerts Butterbirne

Gellerts Butterbirne zählt zu den beliebtesten Tafelbirnen, die eine imposante Grösse und ein Gewicht von bis zu 200 g erreichen kann. Die säuerliche Birne, die geschmacklich leicht an Wein erinnert, ist ausgesprochen saftig. Geerntet wird sie ab September.

Gute Luise

Die Gute Luise ist in nahezu jedem heimischen Garten zu finden, denn sie ist eine der beliebtesten Birnensorten. Seit Ewigkeiten erfreut sich die anspruchslose und bescheidene Birne grosser Beliebtheit. Ab Mitte September können die süsssauren Birnen geerntet werden.

Williams Christ

Die Williams Christ Birne besitzt ein besonders feines, weisses Fruchtfleisch, welches zudem ausgesprochen saftig ist. Vom Geschmack her ist diese Birne, die neben der Alexanderbirne und der Guten Luise zu den beliebtesten Birnensorten hierzulande zählt, süss.
Williams Christ Birnen werden von Mitte August bis in den September hinein geerntet. Leider ist diese beliebte Birnensorte etwas krankheitsanfällig, insbesondere für Pilzkrankheiten.

FAQ – die wichtigsten Fragen und Antworten zu Birnbaum pflanzen

Welchen Standort soll ich für meine Birne wählen?

Ein humoser und durchlässiger Boden bei einem sonnigen und milden Standort ist perfekt für einen Birnbaum. Vermeiden Sie Staunässe. Die Birne blüht noch vor dem Apfel und ist daher anfällig für Spätfröste.

Wann pflanze ich den Birnbaum?

Die Herbst- und Wintermonate (September bis Juni) sind erfahrungsgemäß die beste Birnen Pflanzzeit, denn die Restwärme des Bodens begünstigt das Anwurzeln. Der Saftfluss wird eingestellt, was die Birne an der Ausbildung frischer Austriebe hindert, die durch Frosteinwirkung absterben. Zwischen Oktober und Januar sollten Sie die Setzlinge wurzelnackt in die Erde bringen.

Wie groß muss das Pflanzloch mindestens sein?

Das Pflanzloch sollte doppelt so groß wie der Topfballen des Birnbaums sein. Frischer Kompost oder Hornspäne als Langzeitdünger sind eine super Starthilfe.

Was tue ich gegen den Birnengitterrost?

Birnengitterrost ist eine Pilzerkrankung, die sich an orangeroten Flecken auf den Blattoberseiten zeigt. Vorzeitiger Blattfall ist die Folge. Pflanzen Sie die Birne nicht in der Nähe zu Wacholder- oder Sadebaumsträuchern – diese Arten dienen dem Schadpilz als Zwischenwirt. Eine Spritzkur mit Schachtelhalmextrak stärkt die Abwehrkräfte des Birnbaums. Bei akutem Befall kann die Birne mit einem Fungizid wie Duaxo Universal Pilz-frei behandelt werden.

Spindel, Spalier oder Palmette – welche Erziehung soll ich für meinen Birnbaum wählen?

Die Schnitt-Erziehung als Birnen-Spindel hat sich bewährt und ist auch für Anfänger geeignet. Das klassische Spalier in U-Form bewirkt eine zunehmende Vergreisung der unteren Ast-Etagen, während beim Palmetten-Aufbau die Leitäste der Birne lange vital bleiben.

Benötigen Birnbäume eine Befruchtersorte?

Ja, denn eine Birne ist generell nicht selbstfruchtend, weshalb sie fremdbestäubt werden muss. Die Blütezeit der Befruchtersorte muss mit der Ihres Birnbaums übereinstimmen. Wenn kein Platz für eine weitere Birne vorhanden ist, können durch Veredelung ein oder zwei Triebe einer Fremdsorte auf den eigenen Baum aufgepropft werden. Somit erhält man zwei unterschiedliche Sorten an einem Baum und erhöht die Chancen auf eine Befruchtung und damit hohe Ernte.

Das Rezept wird auf der nächsten Seite fortgesetzt (>)